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Modellkommunen
Übersicht der Modellkommunen: Regensburg

Spiel-Raum-Stadt Regensburg

Organisation: Stadt Regensburg, Amt für kommunale Jugendarbeit
D.-Martin-Luther-Straße 3
93047
Regensburg
Bayern
Ansprechpartner: Frau Annerose Raith
Website: http://www.regensburg.de


Projektinhalt
Die Stadt Regensburg mit ihren 150.000 Einwohnern hatte, wie die Süddeutsche Zeitung die Entwicklung der letzten Jahre beschreibt, „das Glück der späten Industrialisierung.“ Die Universität samt erfolgreicher Spin-offs sowie große und mittelständische Firmen sorgen für Wachstum. Das Gesamt-Ensemble "Altstadt Regensburg mit Stadtamhof" Regensburg ist seit 1945 die einzige authentisch erhaltene und bis heute als urbaner Mechanismus kontinuierlich funktionierende mittelalterliche Großstadt in Deutschland und wurde als solche in das UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen.

Regensburg ist attraktiv und hat nach wie vor Zuwächse zu verzeichnen. Da Wohnraum und Bauland stark nachgefragt sind, gibt es eine starke bauliche Verdichtung, sehr hohe Grundstückspreise und einen großen Druck auf die wenigen verbleibenden Freiflächen.

Bereits seit Jahrzehnten engagiert sich die Stadt Regensburg in den verschiedensten Tätigkeits- feldern aktiv für Familien mit Kindern. Der Prognos-Familienatlas 2007 bestätigt, dass Regensburg mit seinem Engagement für Kinder und Familien bereits auf dem richtigen Weg ist. Die Stadt wurde als „aufstrebende Region für Familien“ klassifiziert, womit sie sich in sehr guter Gesellschaft befindet: In dieser Gruppe befinden sich mehrheitlich sehr attraktive Städte, u. a. Freiburg, Heidelberg, Stuttgart oder München.
Im Juli 2009 hat der Stadtrat das Konzept „Die Stadt Regensburg kindgerecht und familien-freundlich“ verabschiedet.
Der Jugendhilfeausschuss hat im Frühjahr 2010 beschlossen, dass der Spielraument-wicklungsplan der Stadt Regensburg mit den Methoden der Spielleitplanung neu erarbeitet werden soll. Spielplätze sowie alle anderen Spiel-, Erlebnis-, und Aufenthaltsräume in der Stadt sollen erfasst und Bedarfe aufgezeigt werden. Kriterien für eine kinderfreundliche Stadtplanung sollen erarbeitet und vom Stadtrat verbindlich verabschiedet werden. Außerdem sollen auf Grundlage des bestehenden Konzepts für ein kindergerechtes und familienfreundliches Regensburg in Verwaltung, Politik und Öffentlichkeit das Bewusstsein für die Bedarfe von Kindern und Familien gestärkt und die Vorteile von Beteiligungsverfahren deutlich gemacht werden.

Federführend durchgeführt wird die Spielleitplanung vom Amt für kommunale Jugendarbeit in enger Zusammenarbeit mit dem Stadtplanungsamt. Unterstützt wird das Projekt weiterhin von einer vom Jugendhilfeausschuss beauftragten Arbeitsgemeinschaft und externen Planern. In der Arbeitsgemeinschaft sind freie Träger der Jugendhilfe sowie die Stadtratsfraktionen und die jeweils zuständigen Fachämter vertreten.

Internetseiten:

Projektdurchführung
Die Spielleitplanung soll nach und nach für das gesamte Stadtgebiet erarbeitet werden. Ihre Erarbeitung ist für solch eine große Stadt eine sehr aufwändige, langwierige Aufgabe. Sie kann nicht in allen Stadtteilen gleichzeitig angegangen werden, sondern muss – wenn sie gründlich bearbeitet werden soll – Schritt für Schritt erfolgen.
Für die Innenstadt wird zurzeit ämterübergreifend das städtebauliche Rahmenkonzept Innenstadt 2025 entwickelt. Es definiert den Rahmen, die Leitlinien und die Ziele für alle städtebaulichen Vorhaben in der Innenstadt bis 2025. Damit die Anliegen der Kinder und Jugendlichen in das Rahmenkonzept mit einfließen können, wurde entschieden, in der Altstadt zu beginnen. Dieser Teil des Gesamtvorhabens wird durch das Deutsche Kinderhilfswerk unterstützt. Das Projekt, in dem die historische Altstadt mit Stadtamhof bearbeitet wird, heißt „SPIEL-RAUM-STADT Regensburg“. Aufgrund der historischen Situation der Altstadt in Regensburg gibt es dort kaum Spielplätze und so gut wie keine Möglichkeiten, Spielplätze zu schaffen. Deshalb gibt es auf den ersten Blick ein großes Spielflächendefizit.
Durch die Streifzüge mit Kindern und Jugendlichen und ein Planungsgespräch mit Jugendlichen soll herausgefunden werden, was in solch einer historischen Innenstadt die Spiel-, Erlebnis- und Aufenthaltsräume der Kinder und Jugendlichen sind und somit, was folglich geschützt und erhalten werden muss. Außerdem soll herausgefunden werden, was – neben klassischen Spielplätzen und naturnahen Flächen – denn in einer steinernen Altstadt Aufenthaltsräume für Kinder und Jugendliche attraktiv macht und durch welche Gestaltung und Änderungen weitere Räume für Kinder und Jugendliche erschlossen werden können.
In den kommenden Jahren wird es immer wieder Möglichkeiten geben, die Ergebnisse umzusetzen, so z.B. bei der Gestaltung des Gebietes "Donaumarkt" (Stadtreparatur), in den verschiedenen Sanierungsgebieten und bei „Reparaturen“ im Zusammenhang mit dem Weltkulturerbe. Andere Stadtteile werden im Lauf der nächsten Jahre Stück für Stück folgen.
Die Ergebnisse der Kinder- und Jugendbeteiligung werden von den beauftragten Planern genau dokumentiert und von den städtischen Fachämtern und einer vom Jugendhilfeaus-schuss beauftragten Arbeitsgemeinschaft ausgewertet. Das bedeutet, dass gleich zu Beginn bereits alle betroffenen Ämter mit im Boot sind. Es bedeutet auch, dass sie bei Ihren Planungen die Belange von Kindern und Jugendlichen berücksichtigen können, weil sie ihnen rechtzeitig bekannt sind.

Ganz konkret einfließen werden die Ergebnisse unter anderem in:
  • Kriterien für eine familienfreundliche und kind- und jugendgerechte Stadtplanung, die vom Stadtrat verabschiedet werden sollen. Damit soll kinder- und familienfreundliche Stadtplanung fest verankert und zuverlässig durchgeführt werden. Bei der Erstellung dieser Kriterien wird die Stadt Regensburg als Modellkommune vom Servicebüro der Initiative „Für ein Kindgerechtes Deutschland“ vom Bundesministerium für Familien, Frauen, Senioren und Jugend unterstützt.
  • den vom Jugendhilfeausschuss beauftragten Spielraumentwicklungsplan,
  • das städtebauliche Rahmenkonzept Innenstadt 2025, dass zurzeit ämterübergreifend entwickelt wird und Rahmen, Leitlinen und Ziele für alle städtebaulichen Vorhaben in der Innenstadt bis 2025 vorgeben soll.

Der eigentlich letzte Schritt – die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen bei der konkreten Planung und Umsetzung ihrer Bereiche – wird von der Stadt Regensburg bei Spielplätzen schon seit mehreren Jahren erfolgreich praktiziert. Dabei entstehen unkonventionelle Plätze, die den Bedürfnissen der Jungen und Mädchen entsprechen, weil sie von ihnen mit geplant wurden.

Schulung für die Durchführung von Streifzügen in der Innenstadt



Quelle: Stadt Regensburg, Fotograf Peter Ferstl

Zuerst wurden ehrenamtliche und hauptamtliche Mitwirkende akquiriert, die bereit waren, die Streifzüge mit den Kindern und Jugendlichen in der Innenstadt zu begleiten. Dazu gehörten z.B. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der verschiedenen städtischen Fachämter und Fachbereiche, wie z.B: Verkehrsplanung, Stadtplanung, Tiefbau, Stadtentwicklung und Jugendzentren. Außerdem mit dabei waren Mitglieder des Stadtrates, Vertreter verschiedener freier Träger der Jugendhilfe und sogar Eltern.

Diese Erwachsenen wurden zuerst von dem Experten Peter Apel vom Planungsbüro Stadt-Kinder geschult.

Streifzüge:
Danach wurden am 18. und 18. November 2010 Streifzüge mit Kindern und Jugendgruppen durch die Altstadt und Stadtamhof durchgeführt.




Planungsgespräch:
Am Abend des 18.11.2010 waren alle interessierten Jugendlichen zum Planungsgespräch ins W1 – Zentrum für junge Kultur“ eingeladen.




Umsetzungsstand:
Die Ergebnisse der Streifzüge und des Planungsgespräches wurden genauestens dokumentiert und werden zur Zeit ausgewertet.

Wenn die Ergebnisse vorliegen, wird die vom Jugendhilfeausschuss beauftragte Arbeitsge-meinschaft tagen und unter Berücksichtigung der Ergebnisse Kriterien für eine kinderfreundliche Stadtplanung entwickeln. Diese werden dann vom Stadtrat verbindlich verab- schiedet. Außerdem fließen die Ergebnisse in das „städtebauliche Rahmenkonzept Innenstadt 2025“ ein.


Beteiligung von Kindern und Jugendlichen
Streifzüge:
Am 18. und 18. November wurden Streifzüge mit Kindern und Jugendgruppen durch die Altstadt und Stadtamhof durchgeführt. Insgesamt haben sich 9 Gruppen mit 70 Kindern und Jugendlichen aus Schulen, Horten, Internat etc. mit 20 Erwachsenen beteiligt. Das bearbeitete Gebiet war sehr groß und ist historisch bedingt sehr dicht bebaut. Deshalb konnten die Gruppen nicht alle das gesamte Gebiet untersuchen. Es wurde aufgeteilt in 3 Bereiche und die Gruppen wurden so ausgewählt, dass alle Bereiche gut abgedeckt werden konnten.




Planungsgespräch mit Jugendlichen:
Das Planungsgespräch für Jugendliche fand im „W1 - Zentrum für junge Kultur“ statt. Hier konnten sich die Jugendlichen, die zuvor über Ansprache von Schulen, Schülersprechern, Stadtjugendring, Flyerverteilen in der Innenstadt, Plakate und Presse eingeladen worden waren, mit dem vom DKHW beauftragten Stadtplaner Peter Apel, einer Regensburger Landschafts- architektin sowie der Amtsleitung vom Amt für kommunale Jugendarbeit und dem Stellver- tretenden Amtsleiter des Stadtplanungsamtes intensiv über die Altstadt austauschen. Zunächst sollten sie ihrer Altstadt eine Note von 1 (sehr gut) bis 3 (mäßig bis schlecht) geben. Einhellig wurde eine 2 gegeben, was Peter Apel in anderen Städten noch nicht erlebt hatte (so gut). Dann wurden Kritikpunkte gesammelt, die mit Moderationskarten an den Plan auf der Pinwand gesteckt wurden. Angsträume: Albertstraße und NordSüd-Fußweg am Schwammerl zum Bahnhof, Netto unangenehm (Alkoholisierte), das kam bei jedem Streifzug. Unübersichtlichte Radfahrregelungen in der Innenstadt, Lärm in der Nacht, gewalttätige Auseinandersetzungen vor den Diskos Obermünsterplatz, Rennstrecke Domplatz, fehlende Bolzplätze (geht auch nicht in den Parks, wegen anderer Nutzungen) usw. Dann haben die Jugendlichen mit Punkten im Plan eingetragen, was sie wo machen (Baden, Chillen, Grillen usw.) und auf einem Zettel als Legende dazugeschrieben, was die Nummern bedeuten. Die Ideen der Jugendlichen wurden alle dokumentiert und werden zur Zeit ausgewertet.

Rückmeldung:
Die Adressen der Kinder und Jugendlichen wurden erfasst. Sie werden, sobald die Ergebnisse feststehen, eingeladen und über die Ergebnisse und das weitere Vorgehen informiert


Projektchronologie:
Vorlauf:

Mai 2010

  • Auftrag vom Jugendhilfeausschuss an das Amt für kommunale Jugendarbeit, den Spielraumentwicklungsplan neu zu erarbeiten mit der Methode der Spielleitplanung.
  • Beauftragung einer Arbeitsgemeinschaft nach § 78 im SGB VIII.
Juni 2010
  • Expertenvortrag von Herrn Peter Apel für alle interessierten Mitarbeiter der städtischen Planungsämter, sowie interessierten Planer, Pädagogen und Bürger zum Thema „Kinderfreundliche Stadtplanung“.
September 2010
  • Sitzung der vom Jugendhilfeausschuss beauftragten Arbeitsgemeinschaft;
  • Stecken von Zielen, Herausarbeiten von Ansprüchen und Kriterien der Arbeitsgemeinschaftsmitglieder zum Thema „Kinderfreundlichen Stadtplanung“;
  • Erarbeiten eines Planes für das Vorgehen;
  • Entscheidung, zuerst einzelne Stadtteile zu bearbeiten;
  • Moderation und Beratung durch das Servicebüro für ein kindgerechtes Deutschland des BMFSFJ.
September und Oktober:
  • Vorbereitung von Streifzügen;
  • Gewinnen von Einrichtungen, die sich mit ihren Kindern und Jugendlichen beteiligen;
  • Bewerbung beim DKHW um Unterstützungsleistung.
Förderung durch das DKHW

Oktober 2010
  • Vorbereiten der Streifzüge,
  • Abstimmen mit dem durch das DKHW finanzierten Berater Herrn Peter Apel.
November 2010
  • Streifzüge und Planungsgespräch mit Jugendlichen
Dezember 2010
  • Auswerten der Beteiligungsergebnisse

Öffentlichkeitsarbeit
Es gab eine Pressemitteilung mit Foto über die Schulung der Leute, welche die Streifzüge angeleitet haben, in dieser Mitteilung wurde der Hintergrund der Spielleitplanung kurz erklärt und auf die Streifzüge und das Planungsgespräch in der darauffolgenden Woche hingewiesen.

Zu Beginn der Streifzüge fand mit den Hortkindern, den Vertretern der Ämter, der Amtsleitung des Stadtplanungsamtes Frau Hick-Weber und der Amtsleitung des Amtes für kommunale Jugendarbeit und dem Experten Peter Apel eine Pressekonferenz im Kinderhort statt.
Regionalzeitung, Bayerischer Rundfunk und das Regionalfernsehen waren vertreten und haben anschließend darüber berichtet. Einzelne Kindergruppen wurden ebenfalls bei den Streifzügen von der Presse begleitet.

Die Werbung für das Planungsgespräch für Jugendliche erfolgte über Presse, Plakate, Flyer, die Facebookseite des „W1“ und viel persönliche Ansprache von Jugendgruppen und Institutionen.

Erfolge und Schwierigkeiten
Es war ein besonders großer Aufwand, entsprechend viele Kinder und Jugendliche zu organisieren, die sich beteiligen wollten. Einerseits sind die Kinder und Jugendlichen schulisch sehr stark ausgelastet. Andererseits musste es gelingen, den Jugendlichen glaubhaft zu vermitteln, dass es einen Sinn macht, wenn sie sich die Mühe machen, sich zu beteiligen. Es ist durch den großen Aufwand, der betrieben wurde, um die Kinder und Jugendlichen zu motivieren und zu organisieren allerdings mit großem Erfolg gelungen, allein für die Streifzüge 70 Kinder und Jugendliche zu mobilisieren. Auch das Planungsgespräch für Jugendliche war gut besucht.

Ein großer Erfolg war, dass so viele Erwachsenen aus so vielen verschiedenen Fachbereichen – Stadtplaner, Verkehrsplaner, Tiefbauamt, Landschaftsarchitekten, Gartenamt, Stadtentwick- lungsplanung Jugendhilfe, Erzieherinnen, und sogar Eltern und Stadträte – so gut zusammengearbeitet haben.


Ausblick
Wenn die Ergebnisse ausgewertet vorliegen, werden sie in die Kriterien für kinderfreundliche Stadtplanung, die vom Stadtrat verabschiedet werden, eingearbeitet. Außerdem werden sie bei der Erstellung des städtebaulichen Rahmenkonzepts „Innenstadt 2025“ mit einfließen. Somit werden die Belange der Kinder und Jugendlichen bei den kommenden Ausschreibungen, Sanierungen und Änderungen in der Innenstadt berücksichtigt. Ein besonders großes wichtiges Starterprojekt wird die Berücksichtigung der Ergebnisse bei der Durchführung der Stadtreparatur „Donaumarkt“ werden.

Stück für Stück werden in den kommenden Jahren auch die anderen Stadtteile mit Kinder- und Jugendbeteiligung untersucht.


Finanzierung
Der externe Berater Herr Peter Apel wird vom Deutschen Kinderhilfswerk finanziert. Alle anderen Leistungen trägt die Stadt Regensburg.

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