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Modellkommunen
Übersicht der Modellkommunen: Berlin-Pankow

Spielleitplanung Berlin-Pankow

Organisation: Bezirksamt Pankow - Jugendamt
Berliner Allee 252-260
13088
Berlin
Ansprechpartner: Frau Jeanette Münch
Website: http://www.berlin.de/ba-pankow/verwaltung/jugend/
Organisation: Technische Universität Berlin
Institut für Stadt- und Regionalplanung Hardenbergstrasse 40A
10623 Berlin
Ansprechpartner: Herr Jan Abt
Website: www.spielleitplanung-berlin.de

Projektinhalt
Der Bezirk Pankow befindet sich im nördlichen Teil Berlins. Mit 360.000 Einwohnern gehört Pankow zu den bevölkerungsreichsten und mit 50.000 jungen Menschen unter 18 Jahren auch zu den kinderreichen Bezirken der Metropole.
Weißensee, ein Ortsteil Pankows, liegt im südöstlichen Teil, hat im Projektgebiet entlang der Langhansstraße ca. 14.500 Einwohner und entwickelt sich zu einem Zuzugsgebiet. Das liegt z. Teil an den steigenden Mieten in den Nachbarbezirken wie Prenzlauer Berg, welche Bewohner veranlassen, nach preiswerteren Wohnungen zu suchen. Besonders Familien zieht es nach Weißensee, denn neben dicht bebauten Gebieten mit meist gründerzeitlicher Blockrandbebauung, bietet dieser Stadtteil ein großes Freizeit- und Kulturangebot im weiteren Umfeld.

Direkt vor Ort zeigen sich durch die hohe Bebauungsdichte jedoch deutliche Probleme für Kinder und Jugendliche: das Defizit an Spielplatzversorgung beträgt stellenweise 100 Prozent, der öffentliche Raum ist stark durch große mehrspurige Straßen mit Tram, Bus und Autoverkehr geprägt, ungestörte Rückzugsräume für Kinder und Jugendliche gibt es kaum. Als mögliches zukünftiges Sanierungsgebiet könnte sich hier frühzeitig die Chance bieten, die Erfordernisse einer kinder- und jugendfreundlichen Stadtgestaltung aufzugreifen. Im Herbst 2008 wurde bereits in dieser Bezirksregion im Rahmen des Berliner Modellprojektes „Quartier nach vorn“ eine Zukunftswerkstatt zur bürgerschaftlichen Weiterentwicklung des Stadtteils durchgeführt.

Kinder- und Jugendfreundlichkeit in der räumlichen Planung bildet einen der drei Schwerpunktbereiche der „Leitlinien für eine kinder- und jugendfreundliche Stadt“ Berlin von 1999. Es ist jedoch festzustellen, dass eine Verknüpfung und eine strategische Verankerung eines kinder- und jugendfreundlichen Planungshandelns hierbei noch nicht ausgeprägt sind. Das strategische Instrument der „Spielleitplanung“ ist hierbei als neuer Handlungsansatz modellhaft für Berlin eingesetzt worden.
In Berlin war dieses Instrument bislang nicht zum Tragen gekommen. Es wurde noch nicht geprüft, ob eine Anwendung des Instruments der Spielleitplanung unter den besonderen Berliner Rahmenbedingungen und Strukturen einer Großstadt möglich ist. Hierzu hat das Vorhaben "Spielleitplanung für Berlin - Modellprojekt Pankow-Weißensee" einen wesentlichen Beitrag geleistet.

Projektdurchführung
Das Projekt wurde durch das Institut für Stadt- und Regionalplanung der TU Berlin in Kooperation mit dem Bezirksamt Pankow von Berlin, dem Deutschen Kinderhilfswerk e.V. und der Stiftung Sozialpädagogisches Institut „Walter May“ seit Oktober 2008 konzipiert, organisiert und durchgeführt. Durch die TU Berlin wurde die Kooperation mit einem gleichnamigen Studienprojekt mit 20 Teilnehmern unterstützt, die personell und fachlich den Prozess maßgeblich unterstützt haben.
Enge Kooperationen im Verfahren ergaben sich maßgeblich mit Verantwortlichen unterschiedlicher Fachämter (Tiefbau, Jugendhilfeplanung, Spielplatzplanung etc.), Kinder- und Jugendeinrichtungen, Schulen sowie der Polizei. Die Komplexität der Planung macht es unabdingbar, fachlich integrativ zu arbeiten. Mit dem Bezirk wurde daher die Begleitung des Projekts durch eine interdisziplinäre Fachämter-Arbeitsgruppe vereinbart.

Beteiligung von Kindern und Jugendlichen
Kernelement der Spielleitplanung ist eine Beteiligung der Kinder- und Jugendlichen als Experten in eigener Sache. Für das Projekt wurden einerseits speziell entwickelte Kurzfragebögen mit einer beigelegten Gebietskarte eingesetzt. Diese wurden unter Betreuung von Studierenden in den mitwirkenden Schulen ausgefüllt. Wichtiger war jedoch als zweite Methode die Durchführung ganztägiger Fotostreifzüge mit Schulklassen und Freizeiteinrichtungen. In kleinen Gruppen mit jeweils drei bis sechs Kindern oder Jugendlichen, zeigten sie direkt ihre Eindrücke von Stadträumen, aber auch von geheimen Pfaden oder versteckten Spielorten. Die gewonnenen „Expertenmeinungen“ liefern detaillierte Informationen sowohl über gern aufgesuchte und angenommene Orte, als auch über Konflikte und Probleme des Gebiets.
In Kooperation mit vier Freizeiteinrichtungen und vier Schulen aller Schultypen wurden 162 Fragebögen durch Kinder und Jugendliche beantwortet und 122 Kinder und Jugendliche konnten auf 21 ganztägigen Streifzügen ihr Quartier direkt bewerten und Vorschläge zum Erhalt bzw. zur Veränderung entwickeln. Die Ziele und Folgen des Projekts wurden mit den Kinder und Jugendlichen offen kommuniziert.
Eine Rückkopplung der Maßnahmen und der Karte zur Spielleitplanung sollen den beteiligten jungen Menschen im Herbst 2009 vorgestellt werden.

Auch die einzelnen umzusetzenden Maßnahmen und Projekte sollen in Zukunft unter Mitwirkung der Kinder und Jugendlichen entwickelt, geplant sowie umgesetzt werden.

Projektchronologie
Die Verknüpfung mit einem Studienprojekt am Studiengang „Stadt- und Regionalplanung“ der TU Berlin führten zu einem gestrafften Projektablauf und einer engeren Laufzeit von ca. einem Jahr:
  • April - Oktober 2008: Vorbereitung und Aufbau eines Akteurnetzwerkes.
  • November 2008: Vorstellung der Idee für eine Spielleitplanung im Bezirk in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) – Sondersitzung.
  • Dezember 2008: Beschluss zur Durchführung der Spielleitplanung im Bezirk Pankow durch das Bezirksamt Pankow mit dem Bezirksamtsbeschluss sowie der BVV Pankow mit der Drucksache VI-0611 vom 10.12.2008.
  • Januar: Beschluss in der BVV Pankow zur Kenntnis über den konkreten Inhalt VI-648/2008.
  • Januar 2009: Planerische Bestandsaufnahme und Bewertung der Situation vor Ort.
  • Februar – März 2009: Durchführung von ca. 20 (aktivierenden) Experteninterviews.
  • Mai 2009: Durchführung einer öffentlichen Auftaktveranstaltung im Gebiet.
  • Mai – Juni 2009: Durchführung von Beteiligungsaktionen mit Kindern und Jugendlichen (Fragebögen und Streifzüge).
  • Juli –August 2009: Zusammenfassende Bewertung aller Erhebungsergebnisse, Entwicklung des Spielleitplans.
  • September – Oktober 2009: Rückkopplung des entwickelten Spielleitplans mit der Öffentlichkeit sowie im fachlichen Diskurs mit den jeweiligen Verwaltungsressorts. Hieraus entstehende Ergänzungen oder Änderungen sollen bis Ende 2009 in den abschließenden Spielleitplanentwurf eingearbeitet werden.

Perspektivisches Ziel des Projekts ist es, den erstellten Spielleitplan im ersten Quartal 2010 durch die BVV Pankow beschließen zu lassen und somit zu einem behördenverbindlichen Planwerk zu entwickeln. Der auf diese Weise beschlossene Spielleitplan wäre somit künftig für alle weiteren Entwicklungsplanungen, die im Projektgebiet in Berlin-Weißensee verortet sind, abwägungsrelevant.

Darüber hinaus werden die Erfahrungen aus der modellhaften Erprobung in Berlin-Pankow insbesondere im Hinblick auf die verwaltungsinterne Zusammenarbeit gesondert ausge-wertet. Die so erworbenen Kenntnisse sollen im weiteren Verlauf für eine strategische Weiterentwicklung bzw. Implementierung der Spielleitplanung in Berlin nutzbar gemacht werden.

Öffentlichkeitsarbeit
Um das Projekt durch die Bewohner vor Ort weiterzutragen, war von Beginn an Ziel des Projekts: eine hohe öffentliche Wirkung zu erzielen. Neben einer offenen BVV Sondersitzung im November und der Öffentlichkeitsveranstaltung im Mai, wurde die Chance genutzt, auf verschiedenen öffentlichen Festen im Stadtteil präsent zu sein. Die Lokalpresse (Tages-spiegel, Berliner Woche, Vor Ort – Sanierungsgebietszeitung Pankow) berichtete über die Beteiligungsmaßnahmen und das Projektziel. Diese Artikel führten zu einer berlinweiten Aufmerksamkeit. Die Aufnahme im Demographiekonzept Berlin 2009 ist ebenfalls als Erfolg zu verbuchen. Die Ergebnisse der Spielleitplanung Weißensee sind bisher unter www.spielleitplanung-berlin.de zu finden.

Erfolge und Schwierigkeiten
Die Ergebnisse der Spielleitplanung vermögen im Projektgebiet die Lebenssituation für Kinder und Jugendliche zu verbessern und leisten so einen Beitrag zur Nachhaltigkeit im Rahmen der Lokalen Agenda 21. Das wichtigste Ergebnis ist der fertige Spielleitplan, also konkrete entwickelte Maßnahmen und Projekte für mehr Kinder- und Familienfreundlichkeit in Weißensee. Doch bereits im Prozess des Projektes wurden eine Vielzahl von Ergebnissen erzielt:
  • Anstoß eines Prozesses für mehr Kinder- und Jugendfreundlichkeit in Weißensee, der in der Öffentlichkeit auf eine breite Akzeptanz stößt und auch in der Presse Resonanz gefunden hat;
  • Aktivierung von Akteuren vor Ort für Kinder- und Jugendfreundlichkeit;
  • Zuhören und Ernst nehmen der Belange und Vorstellungen von jungen Menschen durch Erwachsene („Endlich hört uns auch mal jemand zu, wenn wir Vorschläge oder Kritik haben!“);
  • Erwachsene nehmen die Vorschläge fürs Gebiet durch die Kinder anders war und verändern schrittweise auch ihre Haltung gegenüber der Meinung junger Menschen („Die haben ja richtig tolle Ideen für das Gebiet“);
  • Vernetzung der bestehenden lokalen Initiativen und Kinder- und Jugendeinrichtungen in Weißensee;
  • Bei den Schulen: Anstrengungen zu Kooperationsvereinbarungen für die regelmäßige Durchführung sozialraumorientierter Erhebungen mit Kindern und Jugendlichen (Kiezdetektive) zur Fortschreibung der Spielleitplanung und dadurch auch eine stärkere Öffnung von Schulen in das Gebiet;
  • Eine verstärkte Diskussion über weitere Möglichkeiten von Kinder- und Familienfreundlichkeit in Pankow auf politischer Ebene;
  • Durch die Erhebung: Eine genaue Kenntnis der Situation und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen als Experten in eigener Sache in Weißensee.
Das Projekt hat trotz seiner kurzen Laufzeit Erwähnung im Demographiekonzept für Berlin gefunden und insbesondere durch das Presseecho sind weitere Bezirke auf das Thema aufmerksam geworden, für die in 2009 Informationsveranstaltungen durchgeführt werden.
Als Schwierigkeiten bei der Durchführung zeigte sich hauptsächlich die ursprüngliche Gebietsabgrenzung entlang von Hauptverkehrsstraßen, die nicht mit dem Lebensraum der Kinder- und Jugendlichen im Quartier übereinstimmte und daher angepasst wurde. Weitere Herausforderungen waren die verschiedenen Bildungshintergründe der beteiligten Schülerinnen und Schüler, die zu erwartende finanzielle Lage des Bezirks sowie die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Einrichtungen vor Ort.
Die meisten dieser Schwierigkeiten konnten überwunden werden. Es ist dem Projekt gelungen eine solide Basis an Kindern- und Jugendlichen zu beteiligen sowie die anfängliche Skepsis über dieses neue Instrument und seinen Nutzwert in Engagement zu wandeln.

Ausblick
Der Bedarf an kinder- und jugendgerechter Stadtgestaltung und -entwicklung ist – und das nicht nur in Weißensee – in Berlin vorhanden. Bei der Beteiligung der Kinder und Jugend-lichen war die Resonanz gut und auch bei der Vorstellung des Projektes auf verschiedenen Stadtteilfesten sowie der ersten Öffentlichkeitsveranstaltung war das Interesse der Bürgerinnen und Bürger groß. Die guten Erfahrungen mit der Spielleitplanung sollen in einem Beschluss des Planes mit seinen vorgeschlagenen Maßnahmen durch die BVV Pankow münden. Ziel ist es, die Spielleitplanung als Instrument für kinder- und familiengerechte Stadtquartiere ebenfalls in anderen Bezirken Berlins zu etablieren.
Nach einem ersten Zwischenabschluss durch den Beschluss zur Umsetzung der Spiel-leitplanung durch die BVV Pankow werden die gewonnenen Erkenntnisse aufgearbeitet. Ziel ist es, je nach Erkenntnis, die Spielleitplanung als Verfahren für mehr Kinder- und Jungend-freundlichkeit auch in anderen Bezirken durchzuführen. Ob dies ohne die starke personelle Unterstützung durch Studierende des Instituts für Stadt- und Regionalplanung der TU Berlin, bzw. ohne Bereitstellung finanzieller Planungsmittel langfristig gelingen kann, wird zu diskutieren sein.
Das konkrete Projekt soll zum Ende des Jahres durch den Bezirk selbst weiter getragen und fortgeschrieben werden. Dafür ist im Bezirk die Verantwortung zu übernehmen. Maßgeblichen Anteil hat dabei eine engagierte Bürgerschaft und die bezirkliche Stelle für politische Bildung & Beteiligung von Kindern und Jugendlichen, die Wächterfunktionen für die gemeinsam entwickelten Ziele übernehmen und die Inhalte weiterentwickeln. Das Projekt war von vornherein auf diese Übergabe angelegt. Die neu erworbenen Fähigkeiten bei Mitwirkenden im Stadtteil zur Durchführung von Beteiligungsmaßnahmen mit Kindern und Jugendlichen und das geweckte Engagement hierfür werden weiter genutzt.

Finanzierung
Das Projekt wurde durch alle Kooperationspartner getragen. Sachmittel sowie Öffentlichkeitsarbeit wurden dankenswerterweise durch den Förderfonds des Deutschen Kinderhilfswerkes bereitgestellt. Die Qualifizierung der beteiligten Studierenden im Bereich Kinder- und Jugendpartizipation ist durch die Drehscheibe für Kinder und Jugendbeteiligung Berlin sowie die Stelle für politische Bildung & Beteiligung von Kindern und Jugendlichen Berlin-Pankow geleistet worden. Die öffentlichen Veranstaltungen wurden durch die Drehscheibe Kinder- und Jugendpolitik Berlin unterstützt.
Für die weitere Umsetzung der entwickelten Maßnahmen werden Haushaltsmittel des Bezirks, Mittel der Städtebauförderung oder verschiedener anderer Fördermittelgeber in Anspruch genommen. Entsprechende Anträge sind zum Teil bereits gestellt. Ein großer Teil der Maßnahmen kann jedoch auch durch Selbsthilfe und Eigenengagement der Bewohnerinnen und Bewohner Weißensees realisiert werden.


- Endbericht der Spielleitplanung als PDF
*Klick*

- Der Beschluss der BVV Pankow als PDF: *Klick*

- Die Broschüre Spielleitplanung in Berlin - Modellprojekt Pankow/Weissensee als PDF: *Klick*

- Die Plakate zur Spielleitplanung Berlin-Pankow als PDF:


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