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Modellkommunen
Übersicht der Modellkommunen: Dortmund

Kinder- und familienfreundliche Gestaltung der Stadt


Organisation: Stadt Dortmund
Ostwall 64
44135
Dortmund
Nordrhein-Westfalen
Ansprechpartner: Herr Gerhard Mlynczak
Website: http://www.jugendamt.dortmund.de


Projektinhalt
Aus einem mit Stahl, Kohle und Bier groß gewordenen Zentrum des Ruhrgebietes erwächst seit einiger Zeit das "Neue Dortmund". Die rund 585.000 Einwohner zählende Stadt und ihre Menschen befinden sich in einem strukturellen Umbruch, gleichermaßen geprägt durch Besinnung auf Tradition und Mut zur Innovation.

Dortmund hat sich zu einem attraktiven Standort für Familien entwickelt. Durch die "Familienpolitische Leitlinie“, die der Rat im Jahr 2002 beschlossen hat, wurden wichtige Handlungsfelder definiert und Ziele benannt. Neben der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und der Schaffung von bedarfsgerechten Betreuungsangeboten für Kinder gehört auch das Wohnen und Leben von Familien in der Stadt dazu.

Die Stadt Dortmund hat den Einfluss räumlicher Gegebenheiten auf die Sozialisation von Kindern erkannt und wird sich deswegen konsequent als kinder- und familienfreundliche Stadt weiterentwickeln.
Die Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen soll nachhaltig verbessert und damit der Wohnstandort für Familien gestärkt werden.
Die bisherigen vielfältigen Aktivitäten und Projekte zur kinder- und familienfreundlichen Gestaltung der Stadt sollen zu einer Gesamtstrategie zusammengeführt, in verbindlichen Strukturen organisiert und mit aktiven Beteiligungsprozessen verknüpft werden.
Daher hat der Rat der Stadt im Februar 2008 die Einführung der Spielleitplanung als Planungsinstrument mit folgenden Leitlinien beschlossen:

  1. Spielleitplanung als kommunale Daueraufgabe auf der Ebene der Stadtbezirke.
  2. Kinder- und Familienfreundlichkeit als Querschnittsaufgabe in Eigenverantwortung der einzelnen Fachbereiche.
  3. Folgen von Planungsvorhaben für Kinder sind darzustellen und abzuwägen („Verschlechterungsverbot“)
  4. Beteiligung von Kindern und Jugendlichen.


Foto: Stadt Dortmund

Projektdurchführung
Eine Arbeitsgruppe aus dem Jugendamt (Büro für Kinderinteressen, Fachbereich Kinder- und Jugendförderung) und dem Stadtplanungsamt hat gemeinsam mit Experten ein Konzept mit Qualitätszielen erarbeitet, welches die Grundlage für eine zielgerichtete und nachhaltige Durchführung der Spielleitplanung vor Ort ist.

Dem Jugendamt obliegt in enger Kooperation mit dem Stadtplanungs- und Bauordnungsamt die Prozesssteuerung, einschließlich der Einrichtung von ämterübergreifenden Arbeitsstrukturen.

Die Bearbeitung in Dortmund erfolgt teilräumlich auf der Ebene der 12 Stadtbezirke. Damit wird dem Anspruch Rechnung getragen, unmittelbar an den Erfahrungswelten von Kindern und Jugendlichen anzuknüpfen.
Die Arbeitsgruppe vor Ort beteiligt regelmäßig alle Fachbereiche sowie in den Stadtbezirken tätige Institutionen, Organisationen und engagierte Bürgerinnen und Bürger, Kinder und Jugendliche.

Nach einer Bestandserhebung mit Beteiligungsverfahren, der Bestandsbewertung und einer Potenzialermittlung im Stadtbezirk wird der Spielleitplan erstellt, der auch Prioritäten für Vorhaben und Maßnahmen festlegt. Dieser Spielleitplan wird von der jeweiligen Bezirksvertretung beschlossen und ist Grundlage für die weiteren Planungen im Stadtbezirk. Die Ergebnisse sind in die integrierten Stadtbezirksentwicklungskonzepte aufzunehmen.

Der Spielleitplan wird regelmäßig fortgeschrieben.

In einer dreijährigen Modellphase sollen Konzept und Struktur geprüft werden.

Die Spielleitplanung wird in einem ersten Schritt in drei Stadtbezirken eingeführt: Innenstadt – West, Lütgendortmund und Brackel.

Beteiligung von Kindern und Jugendlichen


Foto: Stadt Dortmund
Dortmund verfügt über eine qualifizierte Beteiligungskultur von Kindern und Jugendlichen bei der Gestaltung ihrer Lebensbereiche. Der Kinder- und Jugendausschuss hat bereits im November 1998 ein entsprechendes Konzept beschlossen, dem sich auch der Rat im Februar 1999 angeschlossen hat. Seit dieser Zeit gehören regelmäßige Beteiligungsprozesse zum Verwaltungshandeln.
Dabei hat sich die Kooperation des Stadtplanungsamtes mit dem Jugendamt bewährt. Als beispielhafte Projekte sind hier die zahlreichen Aktionen zur Umgestaltung von Schulhöfen, die Spielplatzplanung mit Kindern oder die spielfreundliche Gestaltung der Innenstadt „City Spiel“ zu nennen.

Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an der Gestaltung ihrer Lebensumwelt wird im Rahmen der Spielleitplanung als kinder- und jugendpolitischer Grundsatz weiterentwickelt. Fachgerechte, ehrliche und differenzierte Beteiligungen ermöglichen den Jungen und Mädchen, dass sie sich mit ihrer Umgebung identifizieren können und eher bereit sind, Verantwortung dafür zu übernehmen.
Bei der Bestandsaufnahme zur Spielleitplanung sind bisher ca. 800 Kinder und Jugendliche bei Fragebogenaktionen und Streifzügen beteiligt worden.

Darüber hinaus sollen auch Mitwirkungsangebote bei Grundlagenplanungen geschaffen werden (z.B. in Form von Zukunftswerkstätten im Rahmen der Integrierten Stadtbezirksentwicklungskonzepte).



Projektchronologie: Umsetzungsschritte


Foto: Stadt Dortmund
  • 2006-2007 - Konzepterarbeitung (u.a. Workshop, Exkursion)
  • Februar 2008 - Ratsbeschluss
  • 2008 - Gesamtstädtisches Auftaktsymposium und Auftaktveranstaltungen in den 3 Modellstadtbezirken, Gründung von Arbeitsgruppen
  • 2008/2009 - Bestandserhebung mit Beteiligung von Kindern und Jugendlichen Durchführung von Starterprojekten (Ideenwerkstätten)
  • 2010 - Aufbau eines interaktiven Internetauftritts
  • Sommer 2010 - Bestandsbewertung und Potenziallermittlung in einem Modellstadtbezirk
  • Herbst 2010 - Planungsworkshop mit der Lokalpolitik zum Maßnahmenplan, Erstellung des Spielleitplans
  • Ende 2010 - Beschluss des Spielleitplans in einer Bezirksvertretung
  • 2011 - Grundsatzbeschluss zur Weiterführung der Spielleitplanung

Öffentlichkeitsarbeit
Mit dem Start der eigenen Webseite www.spielleitplanung.dortmund.de kann seit April 2010 die Öffentlichkeit umfassend und aktuell informiert werden.

Erfolge und Schwierigkeiten
Die Einführung der Spielleitplanung findet breite Unterstützung beim Oberbürgermeister und den Fachdezernenten für Jugend und Stadtentwicklung. Die Spielleitplanung konnte als ein Baustein in eine Gesamtstrategie zur Verwirklichung der Familienstadt Dortmund eingebunden werden.

Die Spielleitplanung ist zu einem festen Begriff in der Dortmunder Planungs- und Beteiligungskultur geworden. In den Stadtbezirken konnten zahlreiche Personen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, zur Mitwirkung motiviert werden. Hervorzuheben ist, dass die konkrete Zusammenarbeit sehr stark von den handelnden Personen vor Ort abhängig ist. Bei einem entsprechenden Umfeld ist eine flächendeckende Kooperation mit Schulen und Trägern der Jugendhilfe möglich. Die Bereitschaft von Kindern zur Mitwirkung ist außerordentlich hoch. Der Zugang zu Jugendlichen ist eher schwierig und bedarf besonderer Anstrengungen.

Die Ergebnisse von Beteiligungs- und Kooperationsverfahren stellen bisherige Methoden der Bedarfsermittlung für Spielplätze und Freiräume zum Spielen (DIN) in Frage. Sie ermöglichen hingegen einen zielgenauen und effizienten Mitteleinsatz. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei auf der Schaffung von differenzierten Qualitäten und Vernetzungen im Stadtteil.

Ausblick
Die Erfahrungen im Rahmen von Beteiligungsaktionen und Rückmeldungen aus Politik und Verwaltung zeigen, dass die Spielleitplanung einen festen Platz in der Stadtentwicklung einnehmen kann.
Perspektivisch wäre eine stärkere institutionelle Verankerung im Planungsrecht oder innerhalb von Förderrichtlinien (Soziale Stadt, etc.) wünschenswert. Vor dem Hintergrund der kommunalen Finanzkrise gerät die Spielleitplanung als „freiwillige Aufgabe“ zunehmend unter Legitimierungsdruck.

Ein wesentliches Merkmal des Dortmunder Modells zur Spielleitplanung ist die Durchführung innerhalb der bestehenden Organisationsstrukturen mit vorhandenem Personal. Hiermit ist die Erwartung verknüpft, dass so die Umsetzung der Prinzipien der Spielleitplanung in der täglichen Praxis des Verwaltungshandelns besser gelingt und nachhaltiger wirkt als über die Beauftragung eines externen Büros. Es zeigt sich, dass es ein lohnender, aber langwieriger Prozess ist, die Eigenverantwortung für eine kinder- und jugendgerechte Stadt in den jeweiligen Fachämtern zu stärken.

Besondere Entwicklungspotenziale der Spielleitplanung stecken in der Bildungsarbeit in Verbindung mit Schulen oder auch Kindertageseinrichtungen sowie auf dem Feld einer altersgerechten Beteiligung bei Planungsvorhaben der unterschiedlichsten städtischen Fachdisziplinen.

Finanzierung
Die Umsetzung der Spielleitplanung erfolgt im Rahmen der jährlich zur Verfügung stehenden Budgets der einzelnen Fachbereiche. Eine Ausweitung der städtischen Haushaltes und der Finanzplanung erfolgt nicht.

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